Ulrich Wickert und die Autorin

Im Fernsehen sah ich (Mitte März 2007) Uli Wickert mit seiner neuen Sendung über zeitgenössische Bücher.

Da gab es den Drehbuchautor und Schriftsteller Thomas Brussig zu sehen, der sein neuestes Werk „Berliner Orgie“ über das Rotlicht-Millieu im Markt hat.

Der Chefredakteur der „Brigitte“ war da, eine Autorin (Namen habe ich vergessen…) gab es auch.

Die hatte ein Buch über die pööösen Männer geschrieben, die nie eine Entscheidung treffen. Dazwischen saß der verschmitzte Uli Wickert und brachte einen nach dem anderen in Verlegenheit; besonders die Dame dürfte sich missverstanden gefühlt haben.

Immer wieder bohrte Wickert bei den Männern nach, und Brussig bemühte sich, darzustellen, dass er seiner Frau versprochen hatte, es im Rotlicht-Millieu nicht zum Äußersten kommen zu lassen. Er gab zu, dass er sich im Millieu als Flirter entdeckt hat.

Nun ja…

Der Chefredakteur der „Brigitte“ versuchte den Spagat zwischen Frauenversteher und Anti-Feminist, was ja nun wirklich kaum geht.

Er hat sich gut gehalten, aber da wäre mir der humorvolle Maxim Biller als erklärter Anti-Feminist lieber gewesen.

Die Gäste sprachen wie die Blinden von der Farbe. Alle schienen mir einige Kleinigkeiten vergessen zu haben. Nämlich die Anweisungen und Abfragen, mit denen der Mann leben muss.

Mann und Frau – das war noch nie einfach.

Philosophen, Gehirnforscher, Psychologen und Soziologen haben ganze Bibliotheken-Regalwände zu diesem Thema gefüllt. Aber die Ursache dieses zutiefst zerrütteten Verhältnisses konnte bisher keiner wirklich klar benennen.

Bei einem Tempranillo fiel es mir wieder mal wie Schuppen von den Augen. Mann und Frau, das ist nichts weiter als ein Wechselspiel von Trieb und Verweigerung. Er will – sie nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Früh im Leben fängt es an. Da gibt es Anweisungen wie, zieh dir schon mal deinen Schlafanzug an und putz dir die Zähne. Jeder kleine Junge kennt die Folgen der Unterlassung: Keine Gute-Nacht-Geschichte, kein Zudecken, kein über die Haare streicheln, kein Wangenkuss, kein „träum was Schönes“.

Jahre später folgen Anweisungen in Frageform: Hast du Schularbeiten gemacht, dein Fahrrad geputzt? Die richtige Antwort darauf lautet immer: „Ja, hab ich gemacht“, oder, „Ja, mach ich gleich, versprochen“. Andere Antworten hatten Folgen wie kein Taschengeld, kein Lieblingsessen, keine neuen Spielsachen.

Kaum ist man dem entwachsen, folgen indirekte Mitmach-Anweisungen von weiblicher Seite, sie kommen nur nicht mehr von der Mutter.

Es heißt „ich hätte jetzt Lust in den Tanzsaal zu gehen, etwas zu trinken, und wenn es für dich richtig lustig wird, sofort nach Hause zu fahren“. Wer als junger Mann das nicht mitmacht, kann die kleinen verlockenden Dekollete-Rundungen und den Jeans-Podex anschmachten so viel er will – er kriegt sie nicht.

Nein, das ist keine „Strafe“, es ist die natürliche Abfolge von Verweigerung trifft auf Verweigerung.

Nur ein kleiner Schritt, und es folgt der Bereich der als Verzweiflungsseufzer getarnten Vorwurfs-Anweisungen. „Ich hab nichts anzuziehen, und wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ Und was tut Mann? Er geht bereitwillig mit auf die Shopping-Tour, und bald schon langweilt er sich auf irgendwelchen innereuropäischen Strandliegen.

Das ist der Rhythmus, dem der Mann zu folgen hat, wenn er Beziehungen aufrechterhalten will.

Ihm bleibt ein Leben voller Anweisungen. Kleiner und großer, direkter, indirekter, offen vorgetragen oder getarnt – egal.

Wenn er sie nicht befolgt, darf er kein Mann sein. Dann wird ihm Hinwendung und Respekt verweigert. Notorische Befehlsverweigerer wie Kant und Nietzsche konnten ein Lied davon singen. Einsam und unbeschmust sind sie wieder von der Erde gegangen.

Mittlerweile brauchen nicht nur von allein erziehenden Müttern erzogene Männer keine Anweisungen mehr, um weisungskonform zu handeln. Die lang vererbte Willfährigkeit hat sich als eine Art Säure zur Arterhaltung im männlichen Erbgut festgesetzt. Es soll bereits die ersten zweijährigen Kinder geben, die sich selbst „Gute-Nacht-Geschichten“ vorlesen. Noch ein paar Generationen weiter, und kleine Jungs werden im Schlafanzug und mit geputzten Zähnen geboren.

Männer lieben zwar immer noch Sex, aber sie fühlen sich dreckig und primitiv, wenn sie dafür nicht Abende lang eloquent, angepasst und unterhaltsam sein mussten oder beim Gehen nicht wenigstens den Mülleimer runter tragen dürfen. Ohne irgendeine Gegenleistung bekommt heute kein Mann mehr in Aktiv-Stimmung.

Wenn nicht eine Anweisung im Spiel ist, ist der Mann durch die Jahrelange Dressur für eigene Entscheidungen entwöhnt.

Die begehrenswertesten Frauen scheinen die zu sein, die einem das Leben so richtig zur Hölle machen können. Mit Endlos-Ansprüchen, einer realitätsfernen Vorstellung von dem, was ein Mann für den Sex mit ihr zu tun und vor allem zu unterlassen hat. Das sind die Frauen, die alle Männer haben wollen, die bei Männern hoch im Kurs stehen und Männern zur allerhöchsten Wertschätzung verhelfen.

Trotzdem lamentieren die Frauen, dass sie immer noch nicht gleichberechtigt sind.
Da taucht doch die Frage auf, berechtigt wozu und wofür, meine Damen?
Für ein Leben nach Anweisung?
Für natürliche Konsequenzen bei der Verweigerung des Verweigerungsdiktats?
Na, bravo!