Verhaltensforschung

Im September 2001 entstand das Gedicht. Die Umstände haben sich nicht gebessert, das Thema ist 2010 in den Zeitungen wieder aktuell.

Verhaltensforschung

Der Mensch erforscht die Tiere still
Weil er von ihnen lernen will.

Mit Menschen ist es wie mit Tieren;
die gehen zwar auf allen vieren,

doch wird bei denen Streit vermieden.
In den Familien-Clans herrscht Frieden.

Dort hilft die Herden-Hierarchie.
Beim Mensch herrscht Stumpfsinn-Anarchie.

Es lebt das Tier mit Lebenslust.
Wir aber halten fest am Frust.

Die Lebensweise ist pervers.
Es geht um Profit und Kommerz.

Dem Kind erscheint der Sinn des Seins
Durch Tennis, Fußball, Formel-Eins

Und Fernseh-Serien nur verschwommen.
Der Bildungs-Status macht beklommen,

wenn nach dem Abitur ein Mann
noch nicht mal richtig lesen kann.

Ich weiß genau wovon ich spreche:
Es herrscht die große Leseschwäche.

Das fällt schon gewaltig ins Gewicht:
Vier Millionen lesen und schreiben nicht.

So meldet es das Zeitungsblatt,
das diese Zahl ermittelt hat.

Der Lebensstil wird stumpfer, wilder,
und das geschieht durch Fernsehbilder.

Der Blödsinn boomt, es rast der Mob
und mancher fässt sich an den Kopp …

wofür die Menschen Geld berappen:
Sie tragen Jeans und Baseball-Kappen

und leben an sich selbst vorbei
durch dieses Werbe-Einerlei.

Arbeitszimmer

Arbeitszimmer

Ich sitze gern vor leeren Blättern
Und schreib darauf Gedichte.

Es dauert manchmal gar nicht lang,
die Trübsal wird zunichte.

Ich geh zurück in früh´re Zeit
Und träum von Jux und Fröhlichkeit.

Und denk, bevor ich selig schlaf:
Oh je, ich war nicht immer brav!

Schwächen und Lücken

Schwächen und Lücken

Wenn ich es mir überlege …
Ich bin mir häufig selbst im Wege,

strebe nicht genau zum Ziel,
bin zu langsam, nicht agil

und habe, das ist auch nicht gut
für´s Business zu wenig Mut!

Man müsste, sag ich manchmal mir,
mal sein so wie ein wildes Tier,

das nur mit Taktik und Instinkt
die Beute glatt zur Strecke bringt.

Dann sag ich mir – und bin verdrossen –
auf wilde Tiere wird geschossen …

Leidenschaft

Leidenschaft

Wenn ich könnte
so würde ich in weiter Ferne
den Mond vom Himmel holen
und die leuchtenden Sterne

wenn es ginge
so würde ich um dich herum sein,
den Frühling malen mit all den Blumen
die ich in deinen Augen erspähe

wenn wir dürften
so würde ich mit dir lauthals lachen
singen und jubeln
und dumme Sachen machen

wenn es uns erlaubt wäre
nur einen Funken zu versprühen
einen Augenblick – nur einen winzigen
vor lauter Lust zu glühen

wenn es sein soll
so wird es all das werden mit all den Träumen
die an meinen Ufern liegen
und immer meine Wege säumen

Wenn es sein wird
dann ist es, was es ist,
ein Gefühl.
und nichts dazwischen
ein soviel mehr als alle
Zuversicht.

was bleiben wird?
eben das.
alles was das Leben ist,
ist Leidenschaft.

Am Wasser

Begehren, suchen, finden

 

Ja, ich begehrte, ja ich suchte, ja, ich fand

perlmuttgekleidet endlich sie am Meeresstrand.
Nach einer kurzen Weile spreizte sie sich weit
als ich sie drückte in den weichen, kühlen Sand,
Sie war so feucht, weit offen und für mich bereit,
als ich begehrlich sie in meinen Händen wand.

Ich nahm sie sanft und wusch sie gleich im Wasser.
Da wurd die Muschel blass in meiner Hand.