Der dressierte Mann

Der Begriff „undressierter Mann“ wird hier nicht zu klären sein.

 

Den Begriff „Der dressierte Mann“ hat die Leserschaft einem Buchtitel von Esther Vilar zu verdanken, die Mann-Frau-Themen in ihren Büchern dargestellt hat.

Nein, sie hat sich mit dem Buch bei Alice Schwarzer nicht beliebt gemacht; die Emma-Redakteurinnen mögen geschäumt. haben.

 

Esther Vilar .drehte den Emanzipations-Spieß um und warf den Frauen vor, die Männer zu dressieren. Die Gegenleistung: Sie stellt ihm „ihre Vagina in bestimmten Intervallen zur Verfügung“. Sie entlarvte ihre Geschlechtsgenossinnen als hartgesottene Ausbeuterinnen, die allein aus ihrer Anatomie gehörig Kapital schlagen.

 

Besonders krass finde ich ihre Gleichsetzung der ganz gewöhnlichen Arbeitsverhältnisse mit Prostitution. Der Mann schafft Geld an und die Frau spielt den Zuhälter. Der Arbeitgeber als Bordellbetreiber und der Konsument als „Kunde“. Die gesellschaftskritische Sicht der Dinge zeigt: Esther Vilar steht politisch sicher auch weit links von Alice Schwarzer.

Ihr Konzept der Teilzeitarbeit, 5-Stundengesellschaft hatte damals sogar bei Willy Brandt Beachtung gefunden . Es ist als Modell wahrer Gleichberechtigung und Emanzipation sicher auch heute noch von großem Interesse.

 

 

Das Buch ist brillant, lustig, provozierend geschrieben.

 

Esther Vilar reizte selbstverständlich zum Widerspruch. Aber wer will ihr damals wie heute widersprechen?

 

In der Presse wurde sie damals „Karl Marx der Männer“ genannt, u. a. auch wegen ihrer Ideen zum „Job-Sharing“, und Teilzeit-Arbeit. Mit vielen ihrer Ideen hatte sie damals schon Recht.

 

Was die Vilar vom Verhältnis der Frauen untereinander schreibt, ist unbedingt lesenswert.

Sie war die erste Männerrechtlerin der literarischen Szene.

Esther Vilar ist eine geniale Frau, Künstlerin, Wissenschaftlerin und ansehnlich war sie obendrein; die Pressefotos zeigten eine gut aussehende Frau.

 

Alice Schwarzer verdammte dieses Buch als frauenfeindlich und hätte es wohl am liebsten ganz verboten. Kritik an Frauen ist verpönt. In den Worten von Esther Vilar: „Man darf Frauen – auch und vor allem als Frau – nur hinter vorgehaltener Hand kritisieren, kann Zustimmung nur hinter geschlossenen Türen erwarten.“

Dieser Satz kennzeichnet die tatsächliche Stellung der Geschlechter in unserem Land.
In den letzten 30 Jahren hat sich am Thema nicht viel geändert. Esther Vilar schreibt auf höchstem Niveau, transparent und klar. Das Buch könnte als Satire durchgehen, weil sie witzig und klar schreibt.

 

Esther Vilar war sich ihres Tabubruchs bewusst und wenn sie in diesem Buch von den „dummen“ und „“blöden“ Frauen sprach, war auch dies als bewusste gesellschaftliche Tabuverletzung zu verstehen.

 

Die wahre Gleichberechtigung haben wir wohl erst dann erreicht, wenn Bücher wie „Der dressierte Mann“ keine Rarität mehr sind.

 

Männer sind herausragende Persönlichkeiten …

humorvoll, stilvoll, kommunikativ,
stets an Problemlösungen in der Beziehung interessiert,
rücksichtsvoll, familienorientiert, selbstlos, erotisch,
duschen regelmäßig, haben sehr gepflegte Fußnägel,
kritikfähig … werden nach konstruktiver Kritik eher besser …

 

 

 

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