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März 17, 2008

Posted by astromant in Leben live, Lebenseinstellung.
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“29 ist schon schlimm genug. Wenn ich jemals 30 werde – ich weiß nicht, was ich dann tu. Ich habe schon ein schlimmes Problem damit, erwachsen, alt und schrumpelig zu werden, Dinge tun zu müssen, die ich nicht tun will. Morgens früh aufzustehen, jeden Tag zur Arbeit zu gehen. Ätzend. Vielleicht versuche ich deshalb krampfhaft, mich wie ein Kind zu benehmen und mit Rollerblades bei Rot über Ampeln zu fahren.”

Anonym, aus dem Internet … na bravo!

Ein Hoch auf die Herrschaften der Null-Bock-Generation!

Ja, wann endet die Jugend?

Wann ist ein Erwachsener tatsächlich ausgewachsen? Wenn er Rente zahlt? Wenn er seinen eigenen Kühlschrank füllt? Wenn er ein Gehalt bezieht, eine Waschmaschine kauft, sein erstes weißes Haar entdeckt und ausreißt, heiratet, einen Steuerberater beschäftigt, Kinder großzieht?

Niemand weiß mehr so recht, was das ist, ein Erwachsener, und womit es beginnt, das Erwachsenenleben. Auch die Wissenschaft nicht.

Die üblichen Merkmale verschieben sich, weil sie immer weiter auseinander driften.

Es ist derzeit so: Die Biologie stampft aufs Gaspedal, drängt Mädchen und Jungen im Schnitt/Schritt ;-) schon mit elf, zwölf Jahren oder früher (Mädchen haben manchmal die erste Blutung mit 8 (!) Jahren) in die Pubertät.

Doch Kopf und Herz und Umstände treten auf die Bremse, lassen sie erst Jahrzehnte später erst Arbeitnehmer, Mutter oder Vater werden.

Anatomisch frühreif, sozial Spätentwickler … Eine Gegenläufigkeit der Lebensläufe, die das Leben keineswegs vereinfacht.

Vom Team des Heiner Meulemann vom Institut für Angewandte Sozialforschung der Universität Köln hören/lesen wir: Das Team begleitete 3240 Gymnasiasten von der Jugend in die Lebensmitte, beginnend 1969 im 16. Lebensjahr der Schüler, endend 1997 im 43. Jahr der nunmehr ausgewachsenen Erwachsenen. Noch mit 30 Jahren waren ein Viertel der Männer und acht Prozent der Frauen nicht im Berufsleben angekommen; nur zwei Drittel hatten bis zum 30. Geburtstag geheiratet, nur 46 Prozent waren Eltern geworden.

Gefragt, ob sie sich erwachsen fühlten, antworteten bloß drei Viertel im 30. Jahr mit Ja.

Warum? Weil die Generationen davor, die Eltern und Großeltern, die Generationen danach nicht mehr anleiten (können … ) im Erwachsensein/Erwachsenwerden.

Und weil das “lineare Modell” der Alten – Schule, Lehre oder Studium, Beruf, Heirat, Familie – nicht länger das Referenzsystem ist, in dem sich die Jungen bewegen.

Und weil sich das “zyklische Modell” durchgesetzt hat, dessen Hauptmerkmal die “permanente Veränderung” ist, wie es der Sozialwissenschaftler Frederic M. Hudson nennt.

Die Gewissheit der Älteren, richtig zu leben, ersetzt die Sicherheit der Jüngeren, dass nichts sicher ist, weder Job noch Liebe.

“Wir dürfen uns nicht mehr darauf verlassen, dass mit einer bestimmten Lebensphase auch bestimmte Probleme, Fragen und Aufgaben erledigt sind”, erklärt Günter Mey.

Verpflichtet, lebenslang flexibel zu bleiben und ebenso lang zu lernen, gewähre man dem Einzelnen im Gegenzug die Freiheit, noch mit 50 Tretroller oder Inlineskater zu fahren. Zum Beispiel. “Tagtäglich müssen wir uns neu entwerfen, sagt Mey, “uns fragen, ,wer bin ich, was will ich, wer war ich`”. Ist das nicht anstrengend?

Sehr anstrengend zuweilen, denn das zyklische Modell des Lebens wurde ohne Bedienungsanleitung geliefert.

So gerät die Gesellschaft zum Labor, die neuen Mittelalten werden zu Selbsterforschern, die stets neue Versuchsreihen starten, um herauszufinden, was geht und was nicht.

Diesen Ego-Experimenten räumen einige Entwicklungspsychologen ein eigene Zeit ein; sie schieben eine vierte Lebensphase nach Kindheit und Jugend und vor das Erwachsenenalter: emerging adulthood , das “auftauchende Erwachsenenalter”.

Und spätestens hier schüttele ich als Euer Forumsschreiber den Kopf.

Der US-Psychologe Jeffrey Jensen Arnett sieht diese Nachreifungszeit mit 18 beginnen, mit 25 enden. In den Jahren dazwischen sei der Mensch recht unabhängig von normativen Erwartungen; aus der Abhängigkeit des Kindes entlassen, von der Verantwortung des Erwachsenen noch befreit. Erwachsen auf Probe sozusagen.

Dazu passend hat sich gleich ein neues Lebensmodell etabliert, von Jugendforschern “Hotel Mama” genannt. “Dessen Gäste wohnen so lange wie möglich bei ihren Eltern, lassen sich von diesen – teils auch finanziell – versorgen, bestimmen ansonsten aber selbst, was sie tun oder lassen”, erklärt Günter Mey.

Ich nenne das glatte Reifeverweigerung. Nicht, weil es bloß bequem wäre. Zumeist halten einen wohl Unsicherheit und Überforderung daheim. Aus dem gleichen Grund reisen andere nie aus dem Kinderland aus. Sie verklären die ersten Lebensjahre, in denen sie glaubten, dass Smarties besser seien als Geld, weil man sie essen kann.

Indes: “Der Messlatte des Erwachsenen kann man sich bis zum 30. Lebensjahr entziehen, aber nicht mehr viel länger”, urteilt der Kölner Soziologe Heiner Meulemann.

Dafür braucht man eigentlich auch keine akademische Ausbildung.

Es wird also Zeit also, ein in die Jahre gekommenes Sprichwort zu verschrotten:

Man darf eben doch nicht ewig so jung sein, wie man sich (an)fühlt.

Astromant

CARPE DIEM

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